Website-Übergabe: Das gehört in die Abnahme
Mit dieser Checkliste prüfen Unternehmen vor der Abnahme, ob Zugänge, Dateien, Zuständigkeiten und Wiederherstellung geklärt sind.

Eine neue Website ist nicht schon deshalb sauber übergeben, weil sie erreichbar ist. Entscheidend ist, ob Ihr Unternehmen sie nach dem Projekt nachvollziehbar betreiben, ändern und im Störungsfall wiederherstellen kann. Dafür braucht es mehr als einen Link und ein Administrationspasswort.
Die beste Übergabe beginnt deshalb vor der Abnahme. Legen Sie gemeinsam fest, welche Konten, Dateien, Erklärungen und Nachweise übergeben werden. So lässt sich jeder Punkt prüfen, solange die Projektbeteiligten noch verfügbar sind.
Abnahme und Übergabe getrennt betrachten
Bei der Abnahme prüfen Sie das vereinbarte Ergebnis: Funktionieren Navigation, Formulare und Darstellungen wie besprochen? Die Übergabe beantwortet eine andere Frage: Können die zuständigen Personen anschließend auf alle nötigen Bestandteile zugreifen und mit ihnen arbeiten?
Beides sollte zusammenpassen. Eine optisch fertige Website kann betrieblich unvollständig sein, wenn etwa die Domain in einem fremden Konto liegt, nur eine Person den Hostingzugang kennt oder es keinen dokumentierten Weg zur Wiederherstellung gibt.
| Bereich | Was bei der Übergabe greifbar sein sollte | Praktische Prüfung |
|---|---|---|
| Domain | Anbieter, Kontoinhaber, zuständige E-Mail-Adresse, Verlängerung | Kann eine verantwortliche Person das Konto öffnen? |
| Hosting | Tarif, Login, technische Kontaktwege, Laufzeit | Sind Vertrag und Login auffindbar? |
| Website-System | Rollen, Benutzer, Update-Verantwortung | Kann jede Rolle ihre Aufgabe ausführen? |
| Inhalte | Texte, Bilder, Downloads und ihre Ablage | Sind aktuelle Originale eindeutig benannt? |
| Technik | Quell- oder Projektdaten, eingesetzte Dienste, Konfiguration | Ist erklärt, was für Änderungen benötigt wird? |
| Sicherung | Umfang, Rhythmus, Speicherort, Wiederherstellungsweg | Ist eine Wiederherstellung beschrieben oder geprüft? |
1. Domain und Hosting dem Unternehmen zuordnen
Notieren Sie zuerst, bei welchem Anbieter Domain und Hosting verwaltet werden und unter welcher geschäftlich kontrollierten Adresse das Konto läuft. Bei einer .de-Domain beschreibt die DENIC den Providerwechsel über eine AuthInfo, die der bisherige Provider erzeugt und der Domaininhaber an den neuen Provider weitergibt.
Eine AuthInfo gehört nicht vorsorglich in ein frei zugängliches Übergabedokument. Wichtig ist, dass Ihr Unternehmen weiß, wer den Wechsel auslösen darf und wie es den zuständigen Anbieter erreicht. Prüfen Sie außerdem, ob Zahlungsdaten, Verlängerung und technische Benachrichtigungen an ein dauerhaft betreutes Unternehmenskonto gebunden sind.
2. Zugänge nach Aufgaben ordnen
Ein einziges gemeinsam genutztes Administrationskonto ist keine gute Übergabestruktur. Erstellen Sie stattdessen eine Zugriffsliste: Person oder Funktion, System, Rolle, Zweck und verantwortliche Stelle. Das Passwort selbst gehört in einen dafür geeigneten Passwortmanager, nicht in die Checkliste.
Rollen sollten zur Aufgabe passen. WordPress unterscheidet beispielsweise zwischen Administrator, Redakteur und weiteren Rollen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Diese konkrete Einteilung ist nicht auf jedes System übertragbar, zeigt aber das Prinzip: Wer Texte pflegt, braucht nicht automatisch Rechte für Plugins, Benutzer oder technische Einstellungen.
Prüfen Sie die Zugänge praktisch. Eine zuständige Person sollte sich anmelden, eine typische redaktionelle Aufgabe finden und wissen, an wen sie sich bei einer Sperre wendet. Entfernen oder sperren Sie alte Projektkonten erst, wenn geklärt ist, ob noch vereinbarte Leistungen oder Korrekturen ausstehen.
3. Dateien und Exporte passend zum System festlegen
Welche Dateien übergeben werden müssen, hängt von der Umsetzung ab. Bei einer individuell entwickelten Website können Repository, Quellcode, Build-Anweisungen und Konfigurationshinweise relevant sein. Bei einem CMS zählen zusätzlich Datenexporte, Theme- oder Template-Dateien und die Liste eingesetzter Erweiterungen. Bei einem gehosteten Baukasten kann der verfügbare Export deutlich anders ausfallen.
Fragen Sie deshalb nicht nur nach „allen Dateien“, sondern nach dem Ergebnis, das Sie später brauchen:
- Welche Daten lassen sich exportieren und in welchem Format?
- Welche Bestandteile liegen ausschließlich im Anbieterkonto?
- Welche Dateien werden für kleine Inhaltsänderungen benötigt?
- Welche Unterlagen wären für einen späteren Dienstleisterwechsel nötig?
- Welche Schriften, Bilder oder Lizenzen dürfen in welchem Umfang weitergenutzt werden?
WordPress nennt etwa einen WXR-Export für Beiträge, Seiten und weitere Inhaltsdaten. Der Site Editor kann bei unterstützten Block-Themes außerdem Templates und Template-Teile als ZIP exportieren. Das ist ein Beispiel für getrennte Exportwege, keine Zusage für eine vollständige Sicherung jeder WordPress-Installation.
4. Betrieb und Wiederherstellung dokumentieren
Eine Übergabe sollte festhalten, wer Updates, technische Wartung, Inhaltsänderungen und Störungen übernimmt. Schreiben Sie nicht nur einen Namen auf, sondern auch den Auslöser: Wer reagiert auf Sicherheitsmeldungen? Wer prüft das Kontaktformular? Wer entscheidet über neue Funktionen?
Bei Backups zählen vier Angaben: Was wird gesichert, wie oft, wo liegt die Sicherung und wie wird sie zurückgespielt? Ein vorhandenes Backup ist erst dann betrieblich hilfreich, wenn eine berechtigte Person den Wiederherstellungsweg kennt. Halten Sie außerdem fest, welche externen Dienste die Website nutzt, zum Beispiel Formularversand, Analyse oder eingebettete Karten. Dafür können eigene Konten und Einstellungen nötig sein.
5. Einen kurzen Übergabetermin als Arbeitstest nutzen
Statt die Übergabe nur als Dokumentenversand zu behandeln, führen Sie zwei oder drei typische Aufgaben durch:
- Eine berechtigte Person meldet sich an und findet die Inhaltsverwaltung.
- Sie zeigt, wo Domain, Hosting und Abrechnung verwaltet werden.
- Sie findet die letzte Sicherung und die Beschreibung der Wiederherstellung.
- Sie löst keine echte Änderung aus, erklärt aber den vorgesehenen Ablauf.
- Offene Punkte erhalten Verantwortliche und einen vereinbarten Klärungsweg.
So werden Lücken sichtbar, ohne erst auf eine Störung warten zu müssen.
Ein typischer Fehlerfall
Die Website läuft, doch Monate später soll eine neue Person einen Text ändern. Das Administrationskonto gehört einer nicht mehr erreichbaren Projektadresse, die Domainrechnung geht an einen früheren Dienstleister und der vorhandene ZIP-Ordner enthält nur Bilder. Technisch ist die Seite online, organisatorisch ist sie kaum handlungsfähig.
Die Lösung liegt in der Übergabe: Konten unter Unternehmenssteuerung, passende Rollen, dokumentierte Exporte und klare Zuständigkeiten. Welche Punkte vertraglich geschuldet sind, ergibt sich aus Ihrer konkreten Vereinbarung. Die Checkliste ersetzt diese Prüfung nicht.
Ihre kompakte Abnahme-Checkliste
- Domain- und Hostingkonten sind bekannt und erreichbar.
- Geschäftlich kontrollierte Kontakt- und Zahlungsdaten sind geprüft.
- Benutzerrollen passen zu den tatsächlichen Aufgaben.
- Inhalts-, Projekt- und Systemexporte sind benannt.
- Eingesetzte Dienste und Erweiterungen sind dokumentiert.
- Update-, Backup- und Störungsverantwortung ist zugeordnet.
- Der Wiederherstellungsweg ist beschrieben.
- Offene Punkte und Ansprechpartner sind schriftlich festgehalten.
Wenn Sie schon beim Angebot klären möchten, was später übergeben wird, hilft der Ratgeber Website erstellen lassen: Angebote sinnvoll vergleichen. Einen Überblick zur individuellen Umsetzung finden Sie auf der Seite zur Website-Erstellung für kleine Unternehmen. Ihre Ausgangslage und gewünschten Übergabepunkte können Sie anschließend schriftlich im Kontaktformular schildern.