Arbeitsproben zeigen, ohne Referenzen zu erfinden
So zeigen neue Anbieter Arbeitsproben und Konzeptstudien transparent, ohne Kundenprojekte, Ergebnisse oder Referenzen vorzutäuschen.

Neue Unternehmen und neue Leistungsbereiche haben oft noch keine freigegebenen Kundenreferenzen. Trotzdem müssen Interessierte beurteilen können, wie Sie denken und arbeiten. Die Lösung ist nicht, ein Beispiel wie einen echten Auftrag aussehen zu lassen. Zeigen Sie stattdessen nachvollziehbare Arbeitsproben und kennzeichnen Sie deren Herkunft eindeutig.
Referenz, Arbeitsprobe und Konzeptstudie unterscheiden
Die Begriffe erfüllen verschiedene Aufgaben:
- Eine Kundenreferenz beschreibt ein tatsächlich ausgeführtes Projekt. Aussagen über Auftrag, Ergebnis und Zusammenarbeit sollten belegbar und zur Veröffentlichung freigegeben sein.
- Eine Arbeitsprobe zeigt einen konkreten Ausschnitt Ihrer Arbeit. Sie kann aus einem echten Projekt stammen, muss es aber nicht. Herkunft und Rahmen gehören direkt dazu.
- Eine Konzeptstudie ist ein selbst gewähltes, häufig fiktives Beispiel. Sie zeigt Lösungsweg, Gestaltung oder Technik, ohne einen Kundenauftrag zu behaupten.
- Ein Prototyp macht eine Idee testbar. Er kann unvollständig sein und sollte deshalb nicht als fertiges Produkt erscheinen.
Diese Kennzeichnung gehört nicht in eine versteckte Fußnote. Leser sollten schon in der Überschrift oder Einleitung verstehen, was sie sehen.
Warum klare Kennzeichnung geschäftlich sinnvoll ist
Interessierte treffen Entscheidungen anhand Ihrer Darstellung. § 5 UWG nennt irreführende Angaben unter anderem zu Merkmalen einer Dienstleistung, Ergebnissen und zur Stellung eines Unternehmens. Ob eine konkrete Darstellung rechtlich irreführend ist, muss im Einzelfall beurteilt werden. Für die Website-Praxis folgt daraus ein einfacher Grundsatz: Beschreiben Sie Entstehung, Auftraggeberstatus und Ergebnis nicht größer, als Sie sie belegen können.
Transparenz schwächt eine Arbeitsprobe nicht. Eine sauber erklärte Konzeptstudie kann zeigen, wie Sie Anforderungen strukturieren, Entscheidungen begründen und eine Lösung ausarbeiten. Genau diese Arbeitsweise ist für eine Kaufentscheidung oft aussagekräftiger als ein Logo ohne Kontext.
So bauen Sie eine belastbare Konzeptstudie auf
1. Ausgangslage formulieren
Beschreiben Sie ein plausibles Problem, ohne eine reale Zusammenarbeit vorzutäuschen. Beispiel: „Fiktive Konzeptstudie für ein regionales Innenausbauunternehmen, das Leistungen und Projektablauf verständlicher darstellen möchte.“
KDS verwendet für die Arbeitsprobe FORMRAUM genau diese Abgrenzung: FORMRAUM ist eine fiktive Konzeptstudie und kein behauptetes Kundenprojekt.
2. Annahmen offenlegen
Nennen Sie, welche Informationen Sie selbst festgelegt haben: Zielgruppe, Leistungsumfang, gewünschter Kontaktweg oder technische Rahmenbedingungen. Damit können Leser einordnen, welche Entscheidungen aus einem Briefing stammen und welche der Demonstration dienen.
3. Prozess statt nur Oberfläche zeigen
Eine Bildschirmansicht belegt vor allem Gestaltung. Aussagekräftiger wird die Probe durch:
- Ziel und Prioritäten
- Struktur der Inhalte
- begründete Auswahl der Funktionen
- Varianten oder verworfene Ansätze
- mobile Darstellung und Kontaktweg
- Prüfschritte vor einer möglichen Veröffentlichung
Wer eine Firmenwebsite erstellen lassen möchte, kann so erkennen, ob Vorgehen und Kommunikation zum eigenen Projekt passen.
4. Ergebnisgrenzen nennen
Eine Konzeptstudie belegt nicht automatisch Conversion, Umsatz, Suchmaschinenpositionen oder Kundenzufriedenheit. Schreiben Sie daher nicht „steigerte Anfragen“, wenn keine echte Nutzung gemessen wurde. Möglich ist: „Der Entwurf priorisiert einen kurzen Weg zur Anfrage.“ Das beschreibt die Gestaltung, nicht ein ungemessenes Ergebnis.
5. Nutzungsrechte klären
Bei realen Projekten brauchen Sie eine belastbare Grundlage für Logos, Namen, Bilder, Zitate und Projektdetails. Legen Sie schriftlich fest, was veröffentlicht werden darf. Bei fiktiven Arbeiten verwenden Sie eigene oder ordnungsgemäß lizenzierte Inhalte und vermeiden Kennzeichen, die wie ein reales Unternehmen wirken könnten.
Welche Nachweise Vertrauen zusätzlich stärken
Auch ohne veröffentlichte Kundenliste können Sie überprüfbare Signale anbieten:
- ein klar beschriebenes Leistungspaket
- ein dokumentierter Projektablauf
- benannte Übergabeunterlagen
- eine Checkliste für Abnahme und Qualität
- vollständiges Impressum und erreichbarer schriftlicher Kontakt
- fachliche Beiträge mit Quellen und nachvollziehbaren Grenzen
Diese Angaben ersetzen keine Referenz. Sie reduzieren aber Unsicherheit, weil Interessierte sehen, wie eine Zusammenarbeit organisiert wird.
Beispiel für eine ehrliche Beschriftung
FORMRAUM – fiktive Konzeptstudie
Selbst initiierter Website-Entwurf zur Darstellung von Informationsarchitektur, visueller Richtung und mobilem Kontaktweg. Kein Kundenauftrag; keine veröffentlichten Leistungsdaten.
Die Beschriftung beantwortet vier Fragen: Was ist es? Wer hat es initiiert? Was zeigt es? Was belegt es nicht?
Prüfliste vor der Veröffentlichung
- Ist sofort erkennbar, ob ein realer Auftrag, eine freie Arbeit oder eine Konzeptstudie gezeigt wird?
- Sind Name, Logo, Bildmaterial und Zitate zur Nutzung freigegeben oder selbst erstellt?
- Lassen sich alle Aussagen über Umfang und Ergebnis belegen?
- Werden Entwurfsziele von gemessenen Resultaten getrennt?
- Zeigt die Seite Entscheidungen und Arbeitsweise statt nur eine schöne Oberfläche?
- Fehlen erfundene Testimonials, Kennzahlen und Kundenlogos?
- Führt ein klarer schriftlicher Weg zur Anfrage?
Wenn Sie eine Arbeitsprobe für Ihre Website strukturieren möchten, senden Sie KDS über das Kontaktformular vorhandenes Material und die Punkte, die Interessierte zuverlässig beurteilen sollen.